1724–1804 — Kant versöhnt Rationalismus und Empirismus. Mit der Kritik der reinen Vernunft vollzieht er eine kopernikanische Wende: Nicht der Geist richtet sich nach den Gegenständen — die Gegenstände richten sich nach dem Geist.
Kritik der reinen Vernunft (KrV) — geschrieben „innerhalb etwa 4 bis 5 Monaten, gleichsam im Fluge". Als „Nervensaft verzehrendes Werk" bezeichnet.
Studierte in Königsberg, arbeitete als Hauslehrer, wurde 1770 Professor für Logik und Metaphysik. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Es ist gut."
Kant positioniert sich zwischen Rationalismus und Empirismus — er will beide Positionen nicht verwerfen, sondern versöhnen und kritisch untersuchen.
| 4.55 Uhr | Wecken durch den Diener Lampe: „Es ist Zeit!" |
| 5.00 Uhr | Aufstehen. Frühstück: keines — nur zwei Tassen schwacher Tee und eine Pfeife Tabak. Erste Arbeit in Schlafrock, Pantoffeln und Nachtmütze. |
| 7–9 Uhr | Vorlesungstätigkeit, in vollständiger Garderobe. |
| 9–12.45 Uhr | Hauptarbeitszeit für seine Bücher, wieder im Hausmantel. |
| 12.45 Uhr | Umkleiden, Empfang der Tischgäste im Arbeitszimmer. |
| 13–16 Uhr | Ausgedehntes Mittagessen — die einzige Mahlzeit des Tages. Lieblingsspeise: Kabeljau, stets eine Flasche Rotwein Médoc. Eröffnung mit dem stereotypen „Nun, meine Herren!" |
| 16 Uhr | Spaziergang — immer allein, immer denselben Weg. Die Bürger Königsbergs stellten ihre Uhr nach ihm. |
| Abends | Leichte Lektüre, bevorzugt Reisebeschreibungen. |
| 22 Uhr | Strengste Bettruhe. |
Nur aus den Kamera-Spezifikationen links — kannst du das schon wissen?
Kennen wir den Erkenntnisapparat des Menschen — Raum, Zeit, Kategorien — können wir Aussagen über die Beschaffenheit aller möglichen Erkenntnis machen, noch vor jeder Erfahrung. Das macht synthetische Urteile a priori möglich.
Die Empiristen betonen den rein passiven Charakter des Erkenntnisvermögens. Dies führt zum Skeptizismus — Einzelerfahrungen können nicht zu allgemeingültigen Gesetzen führen.
Die Rationalisten erlauben apriorische Erkenntnis und allgemeingültige Aussagen — aber diese werden aus Begriffen abgeleitet und stellen keine Erkenntniserweiterung dar.
Kritik (griech. krinein) = Untersuchung, nicht Angriff.
Reine Vernunft = Vernunfttätigkeit ohne Rückgriff auf Erfahrung.
→ Kritik der reinen Vernunft = Untersuchung der menschlichen Erkenntnis durch die Vernunft selbst.
„Es gibt doch einen Unterschied derselben dem Inhalt nach, vermöge dessen sie entweder bloß erläuternd sind und zum Inhalt der Erkenntnis nichts hinzutun, oder erweiternd und die gegebene Erkenntnis vergrößern."
Das Prädikat ist bereits im Subjekt enthalten — keine neue Erkenntnis.
Das Subjekt wird um ein neues Prädikat erweitert — neue Erkenntnis.
Unabhängig von der Erfahrung — vor aller Erfahrung. Notwendig und allgemeingültig.
Aus der Erfahrung — nach der Erfahrung. Nur wahrscheinlich, nie universal notwendig.
| A priori (vor Erfahrung) | A posteriori (aus Erfahrung) | |
|---|---|---|
| Analytisch | ✓ Möglich — „Der Körper ist ausgedehnt" Erläuternd, notwendig, aber keine neue Erkenntnis |
✗ Unmöglich — ein analytisches Urteil braucht keine Erfahrung |
| Synthetisch | ⭐ Synthetisch a priori — Kants Entdeckung! Allgemeingültig UND neue Erkenntnis |
✓ Möglich — „Alle Schwäne sind weiß" Neue Erkenntnis, aber nur wahrscheinlich |
„Alles, was geschieht, hat eine Ursache" — im Begriff Geschehnis liegt noch nichts von Ursache. Synthetisch. Aber allgemeingültig und notwendig → a priori.
„Die Gerade ist der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten" — im Begriff Gerade liegt nichts von Größe oder Kürze. Synthetisch — aber notwendig wahr → a priori.
Wie sind synthetische Urteile a priori möglich? → Sie sind möglich, weil sie sich auf die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung beziehen (kopernikanische Wende). Der Erkenntnisapparat selbst macht sie möglich.
Räumt apriorische Urteile ein — aber seine angeborenen Universalprinzipien sind rein analytisch. Der Cogito: Ich denke (Subjekt) — also bin ich (Prädikat bereits enthalten).
Urteile sind synthetisch — aber er verneint die Existenz notwendiger apriorischer Urteile. Auf partikulare Erfahrung beschränkt: Alle Schwäne sind weiß?
«Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden.
Gedanken ohne Inhalte sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.»
Fähigkeit, mit unseren Sinnen Eindrücke oder „Anschauungen" aufzunehmen. Die Sinnlichkeit führt eine Mannigfaltigkeit ungeordneter Eindrücke zu.
Fähigkeit, in Begriffen zu denken — Anschauungen mit Begriffen zu verbinden und zu Urteilen zu verknüpfen.
Kant gibt Hume Recht: Wir haben keine sinnliche Empfindung der Kausalität an sich. Aber er fügt hinzu: Die Kausalität ist eine Kategorie des Verstandes — sie lässt uns die Welt so verstehen. Sie ist kein empirisches Faktum, sondern eine Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung.
„[…] folglich wir von keinem Gegenstand als Dinge an sich selbst, sondern nur so fern es Objekt der sinnlichen Anschauung ist, d.i. als Erscheinung, Erkenntnis haben können."
Der Gegenstand, wie er ohne die apriorischen Formen von Sinnlichkeit und Verstand ist. Bleibt uns für immer verborgen.
Der Gegenstand, wie er uns erscheint — geprägt von den apriorischen Formen von Sinnlichkeit (Raum, Zeit) und Verstand (Kategorien).
Die Kamera — wie das Subjekt der Erkenntnis — nimmt die Wirklichkeit rein passiv auf. Sie formt, filtert oder verändert nichts: sie empfängt schlicht, was ist.
Das erzeugte Bild ist äquivalent zur Wirklichkeit — eine getreue Kopie des Objekts. Was wir wahrnehmen, ist die Welt, wie sie an sich existiert.
Das Subjekt der Erkenntnis richtet sich nach dem Objekt: Der Geist ist ein leeres Gefäß, das die Wirklichkeit aufnimmt. Wahrnehmung und Welt stimmen unmittelbar überein — Erkenntnis ist Widerspiegelung, nicht Konstruktion.
Die Wirklichkeit, wie sie unabhängig von unserem Erkenntnisapparat existiert. Sie ist der Auslöser unserer Erfahrung — aber wie sie wirklich ist, bleibt uns für immer unzugänglich.
Der Erkenntnisapparat — Sinnlichkeit (Raum, Zeit) und Verstand (Kategorien) — formt das Ding an sich zur Erscheinung. Verschiedene Apparate erzeugen verschiedene Erscheinungen desselben Dings.
Nicht das Subjekt richtet sich nach dem Objekt — das Objekt der Erkenntnis richtet sich nach dem Subjekt. Was wir erkennen, ist nie das Ding an sich, sondern stets die durch unseren Erkenntnisapparat geprägte Erscheinung.