Wie verfasst man eine überzeugende philosophische Reflexion? Von der Struktur über die Argumentation bis zur Bewertung — alles was man für die Réflexion Philosophique braucht.
Schreibe für den Leser — Originalität ist entscheidend: Argumente von Philosophen anwenden, statt sie plakativ abzuschreiben. Ungefähr anderthalb Seiten. Kontrastieren: Was könnten Gegenargumente sein? Eigene Definitionen einführen.
Kurz, möglichst in einem Satz: eine These oder Aussage aufstellen.
Allgemein erklären, warum man die Behauptung vertritt — verbunden mit Konjunktionen wie weil, da, zumal, denn.
Einen konkreten Beleg für die Relevanz der Behauptung formulieren — veranschaulichen.
Um nicht zu viel Zeit beim Verfassen der Einleitung zu verbringen, bietet es sich an, mit einem „Grabber" oder „Hook" anzufangen — ein Zitat, eine Anekdote, ein überraschender Fakt oder eine originelle Aussage. Der Einleitungssatz sollte kurz und simpel sein.
Die zentrale Behauptung — was man verteidigen möchte.
Empirische, faktische oder logische Stützung der These.
Konkreter Beleg, der den Beweis untermauert.
Das logische Fazit, das aus Argument + Beweis + Beispiel folgt.
Was passiert, wenn die Schlussfolgerung nicht angenommen wird? Die Konsequenzen des Gegenteils aufzeigen.
Allgemeine Handlungsregel — gilt für alle Fälle dieser Art.
Empirischer Sachverhalt — der konkrete Fall, der unter die Regel fällt.
Konkrete Handlungsanweisung — folgt logisch zwingend aus I + II.
Beschreibung eines Erlebten, einer Erfahrung oder eines konkreten Gedankens.
Einbettung in einen größeren Zusammenhang durch historische Referenzen oder bereits bestehendes Wissen.
Vertiefung, Zerlegung und Prüfung eines Begriffs, seiner Teile oder einer Definition.
Man präsentiert ein Gegenargument (Antithese) und zeigt, warum es nicht überzeugend ist — daraus ergibt sich die eigene These als stärkere, begründete Position.
« Si les hommes étaient capables de gouverner toute la conduite de leur vie par un dessein réglé, si la fortune leur était toujours favorable, leur âme serait libre de toute superstition. Mais comme ils sont souvent placés dans un si fâcheux état qu'ils ne peuvent prendre aucune résolution raisonnable, comme ils flottent presque toujours misérablement entre l'espérance et la crainte, pour des biens incertains qu'ils ne savent pas désirer avec mesure, leur esprit s'ouvre alors à la plus extrême crédulité. […] De l'explication que je viens de donner de la cause de la superstition, il résulte que tous les hommes y sont naturellement sujets. »
« Personne, je le répète, n'a pu voir les hommes sans remarquer que lorsqu'ils sont dans la prospérité, presque tous se targuent, si ignorants qu'ils puissent être, d'une telle sagesse qu'ils tiendraient à injure de recevoir un conseil. Le jour de l'adversité vient-il les surprendre, ils ne savent plus quel parti choisir : on les voit mendier du premier venu un conseil, et si inepte, si absurde, si frivole qu'on l'imagine, ils le suivent aveuglément. Mais bientôt, sur la moindre apparence, ils recommencent à espérer un meilleur avenir ou à craindre les plus grands malheurs. […] [Et] sont-ils témoins de quelque phénomène extraordinaire et qui les frappe d'admiration, à leurs yeux c'est un prodige qui annonce le courroux des dieux, de l'Être suprême. »
« La véritable cause de la superstition, ce qui la conserve et l'entretient, c'est donc la crainte. Que si l'on n'est pas satisfait des preuves que j'en ai données, et qu'on veuille des exemples particuliers, je citerai Alexandre [le Grand], qui ne devint superstitieux et n'appela auprès de lui des devins que lorsqu'il avait des craintes sur sa fortune aux portes de Suse1. […] Alors, dit Quinte-Curce2 (liv. VII, chap. 7), il se replongea dans les superstitions, ces vains jouets de l'esprit des hommes ; et plein d'une foi crédule pour Aristandre3, il lui donna l'ordre de faire des sacrifices pour y découvrir quel serait le succès de ses affaires." Je pourrais citer une infinité d'autres exemples qui prouvent de la façon la plus claire que la superstition n'entre dans le cœur des hommes qu'avec la crainte […]. »
« De l'explication que je viens de donner de la cause de la superstition, il résulte que tous les hommes y sont naturellement sujets […]. Il en résulte aussi qu'elle doit être extrêmement variable et inconstante, comme toutes les caprices de l'âme humaine et tous ses mouvements impétueux, enfin qu'il n'y a que l'espérance, la haine, la colère et la fraude qui la puissent faire subsister, puisqu'elle ne vient pas de la raison, mais des passions et des passions les plus fortes. Ainsi donc, autant il est facile aux hommes de se laisser prendre à toutes sortes de superstitions, autant il leur est difficile de persister dans une seule ; ajoutez que le vulgaire, étant toujours également misérable, ne peut jamais rester en repos ; il court toujours aux choses nouvelles et qui ne l'ont point encore trompé ; c'est cette inconstance qui a été cause de tant de tumultes et de guerres. »
Ist ein klarer Bezug zum Thema hergestellt? Pertinence thématique.
Werden philosophische Referenzen, Begriffe und Theorien korrekt eingesetzt? Compréhension philosophique.
Sind die Argumente gut begründet, überzeugend und in einem sinnvollen Zusammenhang? Pouvoir argumentatif.
Ist die Arbeit übersichtlich, angenehm zu lesen und sorgfältig arrangiert? Structure claire.
Hat mein Schreiben Charakter, Färbung und Persönlichkeit? Originalité — Tentative d'originalité.
„Die Lüge ist der eigentliche Fleck der menschlichen Natur."
— Kant, Immanuel. Verkündigung des nahen Abschlusses eines Traktats zum ewigen Frieden in der Philosophie, 1796.
„Die Lüge ist der eigentliche Fleck der menschlichen Natur."
— Kant, Immanuel. Verkündigung des nahen Abschlusses eines Traktats zum ewigen Frieden in der Philosophie, 1796.
Schon als Kind bekommt man von der Mutter oft den Satz „lüge nicht!" zu hören. Ich sehe das anders, denn die Lüge ist manchmal in verschiedenen Formen wichtig, wenn es darum geht, verschiedenen Menschen auf verschiedene Arten zu helfen. Kants Meinung ist falsch.
Letzte Woche zum Beispiel hatte ich in der Mittagspause kein Guthaben mehr auf meiner Schülerkarte. Ich belügte also Dimitri, der mir eine Pizza spendierte. Meinen Heißhunger bin ich nun los, und Dimitri ist froh, mir einen Gefallen getan zu haben. Ende gut alles gut.
Fairerweise muss man sagen, dass Kant wohl in einer Zeit lebte, in der Lügen weniger akzeptiert war, sodass er zu dieser Meinung gekommen ist. Heute ist die Lüge Alltagsprogramm, wie bei Social Media: Jeder gibt an mit einem Leben, das extrem übertrieben ist und nicht der Realität entspricht, wenn sie mich fragen.
Inzwischen ist bewiesen, dass Lügen Teil der menschlichen Natur ist. Experten haben herausgefunden, dass jeder mindestens 200 Mal am Tage lügt. Philosophisch gesehen schlummert das Lügen also tief in unserer Seele.
Andererseits wäre ein Gegenargument, dass das Lügen schlecht ist weil es einem in verschiedenen Situationen nicht erlaubt, in seinem Leben weiterzuziehen, wie wenn man z.B. fremdgeht und es konstant verheimlicht.
Ich fasse also zusammen. Erstens ist das Lügen oft nützlich und gerechtfertigt. Zweitens ist das Zitat veraltet und betrifft nicht die gegenwärtige Lage des Menschen. Drittens kann Lügen jedoch zu mehr Leid führen, da die Wahrheit nicht ans Licht kommt. Ein gutes Argument, das meinen beiden ersten Argumenten jedoch nicht die Stirn bieten kann. Denn wie es bereits bei Capital Bra heißt: „Die Wahrheit ist kein Hit."
Dr. Jack Kevorkian (1928–2011) war ein amerikanischer Arzt, der unter dem Spitznamen „Dr. Death" bekannt wurde. Er half zwischen 1990 und 1998 schätzungsweise 130 todkranken Patienten beim Sterben — mithilfe einer selbst entwickelten Apparatur, der sog. „Todesmaschine".
Bewerten Sie Kevorkians Sterbehilfe aus ethischer Sicht!
Ist die Sterbehilfe von Dr. Jack Kevorkian ethisch vertretbar?
Einleitung
Die moderne Medizin kann heute das Leben vieler Menschen verlängern. Doch gerade dadurch stellt sich auch die schwierige Frage, ob ein Mensch das Recht haben sollte, selbst über seinen Tod zu entscheiden. Besonders bei todkranken Patienten entsteht ein Konflikt zwischen dem Schutz des Lebens und dem Wunsch, unerträgliches Leiden zu beenden.
Der amerikanische Arzt Dr. Jack Kevorkian unterstützte die Autonomie vieler todkranker Menschen, indem er ihnen mit seiner „Todesmaschine" die Möglichkeit bot, sich selbst das Leben zu nehmen.
Sollte die Autonomie des Menschen so weit gehen, oder ist das menschliche Leben als unantastbar anzusehen?
Hauptteil
Aus der Sicht der Mitleidsethik handelt Kevorkian aus Mitleid mit den Leidenden. Viele Patienten litten nicht nur körperlich, sondern auch psychisch unter ihrer Situation. In solchen Fällen erscheint es manchen Menschen grausam, jemanden gegen seinen Willen am Leben zu erhalten. Diese Grausamkeit entsteht entweder aus Bosheit, da der Todkranke sinnlos seine Leiden verlängern muss, oder aus Egoismus, da die Mitmenschen den Leidenden nicht loslassen wollen.
Todkranken Haustieren euthanasieren wir auch, statt sie sinnlos leiden zu lassen. Warum sollte dieses Prinzip beim Menschen anders sein? Kevorkian verstand seine Hilfe deshalb als Akt der Barmherzigkeit.
Auch aus utilitaristischer oder konsequentialistischer Sicht würde man stärker auf die Folgen der Handlung achten. Wenn durch die Sterbehilfe großes Leid vermindert wird und der Patient freiwillig zustimmt, könnte Kevorkians Handeln als moralisch vertretbar angesehen werden. Entscheidend wären dann nicht allgemeine Regeln, sondern das tatsächliche Wohlbefinden der Betroffenen.
Man mag meinen, dass der Tod eines geliebten Menschen mehr Unglück erzeugt, als Glück. Doch ist die Erlösung eines todkranken Menschen ohne Aussicht auf Besserung nicht eher eine Erleichterung für die Mitmenschen?
Schluss
Der Fall von Dr. Jack Kevorkian zeigt, wie schwierig ethische Entscheidungen am Lebensende sind. Einerseits erscheint der Wunsch schwerkranker Menschen nach einem selbstbestimmten und schmerzfreien Tod verständlich. Andererseits bleibt die Gefahr bestehen, dass durch assistierten Suizid moralische Grenzen verschwimmen und der Schutz des Lebens geschwächt wird. Dies wäre ganz klar ein Verstoß gegen die deontologische Pflicht des Arztes, keinem Patienten Leid zuzufügen.
Deshalb gibt es keine einfache Antwort auf die Frage der Sterbehilfe. Doch angesichts der wachsenden Möglichkeiten der modernen Medizin, den menschlichen Körper am Leben zu halten, bleibt die Diskussion nach der eigentlichen Lebensqualität unausweichlich.