Brillen, Herzschrittmacher, Prothesen: Wir verbessern unseren Körper schon lange mit Technik. Aber wo hört das auf? Sollen wir mit Gentechnik und Gehirnchips über den Menschen hinauswachsen, oder verlieren wir dabei, was uns menschlich macht?
Der Transhumanismus ist eine Denkrichtung, die den Menschen mit Hilfe von Technik über seine biologischen Grenzen hinaus verbessern will: klüger, gesünder, stärker, langlebiger, vielleicht sogar unsterblich. Den Begriff prägte 1957 der britische Biologe Julian Huxley.
Gene bearbeiten, etwa mit der Gen-Schere CRISPR, um Krankheiten zu verhindern oder Eigenschaften zu verändern.
Implantate und Gehirn-Computer-Schnittstellen, die Körper und Geist direkt mit Technik verbinden.
Das Altern verlangsamen oder stoppen. Manche träumen davon, ihr Bewusstsein eines Tages auf einen Computer hochzuladen.
2018 kamen in China die ersten Babys mit gezielt veränderten Genen zur Welt. Der verantwortliche Forscher He Jiankui wurde dafür zu drei Jahren Haft verurteilt. 2024 setzte die Firma Neuralink einem gelähmten Mann einen Chip ins Gehirn, mit dem er allein durch Gedanken einen Computer steuern kann.
Was „normal“ ist, ist gar nicht so klar. Ist eine Impfung Therapie, obwohl man gar nicht krank ist? Ist es Enhancement, wenn jemand mit 1,55 m Körpergröße Wachstumshormone bekommt? Wer legt fest, was ein „gesunder Mensch“ kann?
Mitbegründer der Weltvereinigung der Transhumanisten (1998). Krankheit, Altern und Tod sind für ihn keine Naturgesetze, die wir hinnehmen müssen, sondern Probleme, die wir lösen sollten. Wer das Leiden verringern kann, darf nicht einfach zusehen.
Sagt voraus, dass Mensch und künstliche Intelligenz um das Jahr 2045 verschmelzen werden, die sogenannte Singularität (The Singularity Is Near, 2005). Danach werde unsere Intelligenz um ein Vielfaches wachsen.
Warnt in Die Zukunft der menschlichen Natur (2001) vor genetisch „designten“ Kindern. Wer seine Eigenschaften nicht dem Zufall, sondern den Plänen der Eltern verdankt, kann sich nicht mehr als alleiniger Autor seines Lebens verstehen. Das stört die Gleichheit zwischen den Generationen.
In Plädoyer gegen die Perfektion (2007): Der Wunsch, alles zu optimieren, zerstört die Haltung, das Leben als Geschenk anzunehmen. Ohne sie verlieren wir Demut, und unsere Solidarität mit denen, die weniger Glück hatten.
Jürgen Habermas kennst du vielleicht schon aus Modul 2 (Diskursethik).
Schiebe den Regler. Ab wann bist du nicht mehr du?
Dann bist du für dich das, was dein Gehirn tut: deine Erinnerungen, Gedanken und Gefühle, nicht das Material. Aber wäre dann auch eine perfekte Kopie deines Gehirns auf einem Computer „du“? Und wenn es zwei Kopien gibt, welche ist es?
Dann hängt dein Ich am lebendigen Körper. Aber wo liegt die Grenze? Bei 50 %? Bei 51 %? Und unsere Körperzellen erneuern sich ohnehin ständig: Viele Atome in dir waren vor ein paar Jahren noch nicht da.
Genau dieses Rätsel kennst du von der Seite Identität: Wenn man alle Planken eines Schiffes nach und nach austauscht, ist es dann noch dasselbe Schiff? Vielleicht ist „dasselbe“ gar keine Frage, die eine klare Ja-Nein-Antwort hat.
Stell dir vor, eine Gen-Behandlung macht Kinder deutlich intelligenter und gesünder. Sie kostet 500.000 €. Nur reiche Familien können sie bezahlen.
So schützt man die Gleichheit. Aber man verweigert damit auch Kindern ein gesünderes Leben. Und was, wenn andere Länder es erlauben? Reiche Familien würden dann einfach dorthin reisen.
Dann hätte jeder dieselbe Chance. Aber wenn alle verbessert sind, wird der neue Zustand zum Normalfall, und wer nicht mitmachen will, gerät unter Druck. Ist es dann noch eine freie Entscheidung?
Das respektiert die Freiheit der Eltern. Doch dann könnte Ungleichheit zum ersten Mal in der Geschichte biologisch vererbt werden. Reiche wären nicht nur reicher, sondern buchstäblich „bessere“ Menschen. Wäre das noch eine Gesellschaft von Gleichen?